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Steyr Traktoren - die 2-Zylinder Steyr 180 bis Steyr N182a

 

Traktoren wurden beim Neuaufbau nach 1945 genau so dringend benötigt, wie Lastkraftwagen und Omnibusse. Steyr baute ab 1946 den Lastwagen Steyr 370, aber der war nur ein Notbehelf.

Benötigt wurde ein 4-Tonner Lastwagen, ein Omnibus, ein Traktor - und natürlich alle mit einem Dieselmotor. Mit Hochdruck entwickelte Steyr daher die Fahrzeuge und parallel dazu entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Pischinger der legendäre erste Steyr Dieselmotor.

Seit April 1947 waren die Handelsgrenzen zwischen den Besatzungs-zonen weg gefallen. Alles könnte gebaut und verkauft werden. Besonders Fahrzeuge mit Dieselmotor. - Wenn es nicht die Lieferengpässe bei den Einspritzaggregaten gegeben hätte, wäre die Serienfertigung voll angelaufen. So mußten Prioritäten gesetzt werden. Daher kam zuerst der Traktor Steyr 180 mit dem 2 Zylinder Motor auf den Markt und erst ein knappes Jahr später der Lastwagen 380 mit dem 4 Zylnder Motor.

 

1947 - 1953

Steyr 180

Der Traktor Steyr 180 wurde durch die geschilderten Einschränkungen bei den Einspritzanlagen das erste Steyr-Fahrzeug mit Dieselmotor.


Steyr Traktor 180 mit 2,66 ltr 2-Zylinder Dieselmotor

In seiner ersten Ausführung leistete der Motor 26 PS (DIN) bei 1500 U/min und hatte, wie im Traktorbau üblich, ein mittragendes Kurbelgehäuse, an dem vorne die Vorderachse und hinten das Kupplungsgehäuse mit Getriebe und die Hinterachse angeflanscht waren.

Die Vorderachse war als Querblatt-Feder-Achse ausgeführt, die mittig gelagert, weit schwenkbar war und damit gute Geländeanpassung gewährleistete.



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Das erste landwirtschaftliche Motorgerät in der Steyr Historie war ein ab 1919 bei Puch in Lizenz gebauter Excelsior (heute Skoda) -Motorpflug


Traktor 1928 von Steyr

1928 baute Steyr, warum auch immer, einen Traktor (angeblich mit 80 PS Benzinmotor), der stark an den Fordson angelehnt war.
Geld war damals zwar vorhanden, aber eine völlige Neukonstruktion wäre sehr teuer gekommen. Es sind aber nur wenige Exemplare gebaut worden. Welcher Motor eingebaut war, ist mir unbekannt, Steyr hatte keinen, den speziellen Anforderungen entsprechenden Motor im Programm.

Anders sah es nach 1940 aus. Steyr hatte zusammen mit Prof. Porsches Konstruktions-büro den neuen 1,5 to-Allrad-Lkw 1500A (Steyr 270) und den Raupenschlepper RSO (Steyr 470) entwickelt. Deren gemeinsamer Motor, der robuste, luftgekühlte 3.5 ltr V8-Zylinder mit 85 PS wurde ab 1941 in großer Stückzahl gebaut.
Neben diversen Varianten und Weiter-entwicklungen des Allrad-Lkw und des RSO entstanden auch die Projekte Lastwagen mit Hinterrad-Antrieb, Dieselmotor und Traktor.


mit halbiertem (?) 3,5 ltr V8-Motor aus 1500A

Von diesem Traktor stand zumindest ein Prototyp zur Erprobung bereit. Wahrscheinlich mit einer R4-Zylinder Variante aus einem halbiertem V8 mit beiden Kühlgebläsen. Die Erfahrungen mit diesem Erprobungsträger konnten direkt in die nächste Konstruktion einfließen: in den Steyr 180, den ersten Steyr-Diesel-Traktor.

erster Prospekt - XII. 1947 - 12 Seiten, ca. A4

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Das Getriebe hatte 5 Gänge, Differenzialsperre und Lenkbremsen waren serienmäßig. Der kurze Radstand machte das Fahrzeug wendig (nur 7m Wendekreis), aber wegen seines kurzen Radstandes zu leicht auf der Vorderachse. Beim Anfahren mit schwerer Last kamen die Vorderräder hoch. Technisch waren 10 to Anhängelast möglich, bei 10% Steigung zog er immer noch 5 to.

Als Höchstgeschwindigkeit war 26,4 km/h angegeben,
im 1. Gang 3,0 km/h

Der Steyr 180 wurde mit Anhängevorrichtung und Ackerschiene geliefert, Zapfwellen, Riemenscheiben und Mähantrieb gab es auf Wunsch. Ebenso war eine zusätzliche Geräteschiene zu bekommen, Gleitschutzvorrichtung für die Reifen, Greiferräder aus Stahl und Zusatzgewichte für die Felgen.

1950 war die Hydraulik serienreif, es gab die Typen 80 und 180 mit hydraulischer Hubeinheit, außerdem war beweglicher Ackerschiene und Druckluftbremsanlage liefernar. .


Prospektblatt - ohne Nr. - ca. 1949, >A4

Auch Anlasser und Vorglühanlage waren bis 1950 nur als Zubehör lieferbar. Gestartet wurde standardmäßig mit der Kurbel bei gedrücktem Dekompressionshebel.
- Wenn der vorher angezündete Glimmstift (ein Ding, ähnlich einer Räucherkerze) eingeschraubt und die große Schwungmasse mit der Kurbel auf Touren gebracht war, wurde der Dekompressionshebel umgelegt und die im Schwungrad gespeicherte Energie reichte für ausreichend viele Umdrehungen, um auch einen winterkalten Motor zuverlässig zu starten.

Häufig gesehenes Zubehör waren auch Wetterschutzverdeck, Kotflügel vorne und Sitze auf den Kotflügeln. Es gab auch einen Beifahrersitz der sich hinter dem Fahrersitz befand.

Die Ackerleistung beim Pflügen betrug (2-3 Scharen) in 10 h je nach Bodenbeschaffenheit ca. 2 bis 3 ha.

Der Verbrauch des 26 PS-Motors wird mit "nur" 185 g/PSh angegeben. Das ist nicht wirklich sparsam ...


1951 stieg die Leistung des 2-Zylinder Motors auf 30 PS bei 1600 U/min

 

 

 

Prospekt - X. 1948 - 4 Seiten, ca. A4

Seite 2, Seite 3

 

 

Faltprospekt - ohne Nr. - ca.1950, >A5, 8 Seiten


Faltprospekt 30 PS - II. 1951 - 8 Seiten, >A5

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Es entstanden in den folgenden Jahren bei Steyr eine ganze Reihe eigener und geprüfter, empfohlener Komponenten für die Land- und Forstwirtschaft, die als Steyr-Agrar-System vermarktet wurden.
Dazu gehörten bereits 1950 Mähbalken, Beetpflug, Kartoffelroder, Wenderechen, Eggen, Seilwinden u.a.

Skuril, aber funktionierend war die Steyr-Schleppachse (Prospekt rechts), die aus dem Traktor-Zug ein Fahrzeug mit 4-Rad-Antrieb machte.

Der Verbrauch des 26 PS ;Motors wird mit "nur" 185 g/PSh angegeben. Das ist nicht wirklich sparsam ...

Vom Steyr 180 wurden 25.302 Stück in den Jahren 1947 bis 1953 gebaut.

 

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Prospekt der Steyr Schleppachse - I. 1952

die Beschreibung - mehr Text u. Skizzen
und noch eine Skizze


1953 - 1959

Steyr 180 a

Der Nachfolger des Steyr 180 hatte die Stilistik der in den Jahren 1949 und 1952 vorgestellten Traktoren Steyr 80 und Steyr 280 übernommen.

So stand der neue Steyr 180a (30 PS) nicht nur leistungsmäßig, sondern auch bezüglich der Baugröße augenfällig an seinem Platz zwischen dem kleinen Steyr 80 (15 PS) und dem großen Steyr 280 (60 PS)

Einer der wichtigsten Forderungen an den Nachfolger des 180 war ein längerer Radstand. Und dieses erfüllte der Nachfolger mit 17 cm Zuwachs.
Mit 1830 mm Radstand stand er ebenfalls genau zwischen dem kleinen Steyr 80 (1650 mm) und dem Steyr 280 (2220 mm).

Der 2-Zylinder-Motor mit 30 PS bei 1600 U/min Motor war prinzipiell unverändert, die Hydraulik war serienmäßig. Große 28 Zoll Räder an den Antriebsachsen sorgten für 37 cm Bodenfreiheit. Ab 1955 waren a.W. auch 32" - Räder lieferbar.



 

 

Prospekt - 3. 54 - Format A4, 6 Seiten, Inhalt wie unten

 

Das 5-Gang Getriebe konnte anfangs auf Wunsch mit Kriechgang (2,26 km/h max.) geliefert werden. Ab 1955 war der Kriechgang serienmäßig und a.W. gab es das 5-Gang Getriebe

 

Prospekt - 7. 54 - Format A4, 6 Seiten, seitlich aufklappbar ( aus CH )

 

V max war nun mit 24,7 km/h angegeben und es konnten bis 18 to (bei max. 5% Steigung) geschleppt werden - (bei v max im 5. Gang max 4,4 to)

 

 

Faltprospekt -1. 55 - Format >A5, 12 Seiten

14.420 Stück wurden vom 180a gebaut, Sein Nachfolger war der N180a

Faltprospekt - 4. 56 - Format >A5, 12 Seiten


1956 - 1959

Steyr 182 / 182 a

Anfangs wurde der "36 PS" Traktor als Export - Modell bezeichnet, obwohl er auch im Inland ganz normal lieferbar war. Eine rote Lackierung statt dem Steyr-Grasgrün und eine mittig auf der Motorhaube längs verlaufende schmale Erhebung ("Nase") wie beim 185 und 280 unterschied ihn äußerlich von seinem "Bruder" Steyr 180a.

Technisch war der Unterschied anfangs nicht so groß. Höhere max. Drehzahl ergab knapp 10 PS mehr Leistung, was mit anderer Reifengröße (12-28) zu höherer Schleppleistung und anderen Geschwindigkeiten führte. Die Zugleistung am Haken betrug (mit Zusatzgewichten am Traktor) 2110 kg statt 1600 kg, die max. Anhängelast ist im 5. Gang angegeben (4,5 to) was zum Typ 84 (3,5 to), aber nicht zum 180a (1. Gang) vergleichbar ist.

Ab (wahrscheinlich) 1958 wurde parallel zum Typ 182 der Typ 182a ins Programm genommen, der sich durch ein 4+2 Gang Getriebe mit einer Vorschaltgruppe (Ackergruppe) unterschied, also 8 Vorwarts und 4 Rückwärtsgange anbot.

Prospekt "Diesel Traktor 36 PS" - VI. 1957 - 8 Seiten, ca. A4

Eine "unabhängige" Motorzapfwelle wurde im obigen Prospekt als lieferbar genannt, ob damit auch die Doppelkupplung gemeint war ?

Der Typ 182a wurde in geringer Stückzahl bis 1962 weiter gebaut.
Über 3.700 Stück 182 und 182a verließen das Werk


 

 

Steyr bezeichenete den Typ 182 und den Typ 84 als Export-Modell und machte die Leistungs-angabe nach SAE-Norm*), statt wie sonst nach DIN. Am Papier machte es sich gut, 20 Prozent höhere Leistung anzubieten, die nur 10% waren.
Die angegebenen 36 PS nach SAE waren 32 PS nach DIN gemessen. Und diese Mehrleistung von 2 PS gegenüber dem 180a ergab sich durch die von 1600 auf 1700 U/min erhöhte Nenndrehzahl.
Im Prospekt wird eine höhere Einspritzmenge genannt. Diese kann, sofern messbar vorhanden, nur Einfluß auf das Drehmoment im unteren Drehzahlbereich, nicht aber auf die höchste Leistung gehabt haben.

Das gleiche Spiel geschah auch beim dem, im gleichen Jahr vorgestellten, Export-Modell des
1-Zylinder-Traktors, dem Typ 84.
Aus 15 PS (nach DIN) beim grünen Steyr 80 wurden 18 PS (nach SAE) beim roten Typ 84. Das entsprach 16,5 PS nach DIN, was aus ca. 10% höherer Nenndrehzahl erreicht wurde.

Werbeaussagen, die damals noch zulässig waren. Es wurden 20% mehr Motorleistung angepriesen, die eigentlich nur 10% waren. Die nicht mehr Kraft war, sondern längerer nutzbarer Drehzahlbereich. (= mehr Leistung)
(für Leute, die Physik immer langweilig fanden: Leistung = Kraft mal Weg d.h. bei einem drehendem Motor: Drehmoment mal Drehzahl. In technischen Angaben wir immer die höchste Leistung und die dabei anliegende Drehzahl genannt. Beim Dieselmotor (Saugmotor) ist diese Drehzahl immer die höchste, bei der noch Leistung abgegeben wird, kurz vor dem Abregelbeginn.

 

*) Messmethoden für Motor-Leistung vor 1965:
nach DIN: Leistung mit allen Nebenaggregaten (Lüfter, Lichtmaschine usw, mit Luftfilter und Fahrzeug-Abgasanlage)
nach SAE: ohne Nebenaggregate, ohne Luftfilter und ohne Fahrzeug-Auspuffanlage.


1959 - 1963

Steyr N 180 a, N 182 und N 182 a

Die 2-Zylinder-Traktoren wurden tiefer gelegt. Die Höhe verringerte sich um 20 cm, während die Bodenfreiheit nur um 3,5 cm (182a) geringer wurde. Zwischen Mitte Kurbelwelle und Oberkante Motorhaube wurde also sichtbar aufgeräumt. Aber auch die Sitzposition änderte sich. Das Lenkrad wurde flacher, die Pedale wurden nun abwärts gedrückt.

Die Räder (10 bzw 11 - 28) blieben gleich, die Achse und das Differenzial wurden geändert. Die Handbetätigung für die Lenkbremsen wich Pedalen.

Beim N 180a und N182 blieb das 6-Gang-Getriebe (5 Gänge plus Kriechgang) gleich, die Achsuntersetzung erhöhte sich geringfügig, erkennbar an der höheren Endgeschwindigkeit (24,9 km/h)

Der N 182a hatte das schon ein Jahr vorher im 182a vorgestellte 4-Gang Getriebe mit 2 Rückwärtsgängen und eine Vorschaltgruppe (Ackergruppe), also 8+4 Gänge.

Auch die Differenzialsperre, die schon der 180 hatte, blieb erhalten.

Die Lackierungen erfolgten beim Steyr N 180a in "Steyrgrün" und beim
N 182 und N 182 a in "Steyrrot".

Es wurden 3.715 grüne N180a und über 2.900 rote N182/182a gebaut.


Prospekt N180a und N182a - ca. 1960 -
8 Seiten, - >A5


Eine erwähnenswerte Variante der Steyr-Traktoren baute Ochsner in Linz.

Neben normalen Anhänger-Kompressoren mit Steyr-Motor gab es von Ochsner auch die "fahrbaren" Kompressoren, bei denen die Kompressor-Zylinder am Motor angebaut wurden und die Kompressor-Kolben direkt von der Motor-Kurbelwelle angetrieben wurden (siehe Beschreibung im Prospekt).

 


 

 

 

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